Ratgeber · Events und Messen
Messeauftritt planen: Termine vorher, Abend danach

Ein Messestand kostet Zeit, Geld und Nerven. Trotzdem kommen viele Unternehmen mit einem Stapel Visitenkarten nach Hause, aus dem dann wenig wird. Ich habe Messen in Chemnitz, Jena, Erfurt und Rostock begleitet. Das Wichtigste passiert nicht am Stand, sondern davor und danach.
Warum Messen oft enttäuschen
Viele Unternehmen behandeln die Messe wie ein Schaufenster: Stand aufbauen, auf Besucher warten, Prospekte verteilen. Das Problem: Die Besucher, die zufällig vorbeikommen, sind selten die, mit denen du eigentlich sprechen willst. Und die Leute, die du treffen willst, haben ihren Tag oft schon verplant, bevor sie die Halle betreten.
Die Lösung ist einfach, macht aber Arbeit: Behandle die Messe nicht als Anlass zum Warten, sondern als Anlass für Verabredungen.
Vor der Messe: Termine statt Hoffnung
Vier bis sechs Wochen vor der Messe fängt die eigentliche Arbeit an.
- Schreib eine Liste mit zwanzig Menschen, die du auf dieser Messe treffen willst. Kunden, mögliche Partner, Leute aus Verbänden.
- Lade sie persönlich ein, mit einem konkreten Anlass: „Wir zeigen am Stand das Neue, das wir mit dir besprechen wollten. Hast du Donnerstag um elf Zeit für einen Kaffee?“
- Nutze dein Netzwerk: Frag Bekannte, wen sie auf der Messe kennen und ob sie dich vorstellen.
- Kündige einen Grund zum Vorbeikommen an, zum Beispiel eine Vorführung zu einer festen Zeit oder ein kurzes Gespräch mit einem Gast.
Wer mit zehn festen Terminen zur Messe fährt, hat einen ganz anderen Tag als jemand, der hofft.
Am Stand: Gespräche statt Prospekte
Am Stand gilt dieselbe Regel wie überall beim Netzwerken: erst fragen, dann erzählen. Ein Stand wirkt einladender, wenn niemand hinter einem Tresen steht, sondern das Team vorne im Gang ansprechbar ist.
- Stell offene Fragen: „Was führt dich heute her?“ statt „Darf ich Ihnen einen Prospekt geben?“
- Notier direkt nach jedem Gespräch drei Dinge: Wer war es, worüber habt ihr gesprochen, was ist der nächste Schritt.
- Verabrede den nächsten Schritt noch am Stand, zum Beispiel einen Termin in der nächsten Woche.
- Plan Pausen ein. Ein müdes Standteam spricht niemanden mehr an.
Der Abend danach: Der unterschätzte Teil
Die besten Gespräche einer Messe finden oft nicht in der Halle statt, sondern abends. Ein kleiner Abend mit ausgewählten Gästen, Kunden, Partnern und zwei, drei Menschen aus dem Netzwerk, wirkt manchmal mehr als drei Tage am Stand.
Dafür braucht es keinen großen Rahmen. Ein Tisch in einem guten Restaurant in der Nähe, eine persönliche Einladung, ein Gastgeber, der die Leute einander vorstellt. Wichtig ist, dass jemand den Abend hält: Wer sitzt neben wem? Wer sollte wen kennenlernen? Genau das ist die Aufgabe, die mir am meisten Spaß macht.
Nach der Messe: Die ersten 48 Stunden entscheiden
Die meisten Messekontakte verschwinden in einer Schublade. Damit das nicht passiert:
- Schreib innerhalb von 48 Stunden jeder Person, mit der du gesprochen hast, eine persönliche Nachricht.
- Bezieh dich auf das Gespräch und schick, was du versprochen hast.
- Trag alle Kontakte mit Notizen in dein Kundenverwaltungssystem ein, nicht in eine Excel-Liste auf einem Laptop.
- Setz dir eine Wiedervorlage für zwei und für sechs Wochen.
- Schau nach vier Wochen ehrlich hin: Wie viele Gespräche, Angebote und Aufträge sind entstanden?
Woran du einen guten Messeauftritt erkennst
Nicht an der Zahl der Besucher am Stand, sondern an der Zahl der nächsten Schritte. Ein Messeauftritt mit dreißig Gesprächen und zwölf vereinbarten Terminen ist erfolgreicher als einer mit dreihundert Prospekten und keinem Termin.
Typische Fehler
- Keine Ziele: Wer nicht weiß, wen er treffen will, trifft zufällige Leute.
- Zu wenig Leute am Stand: Wenn alle im Gespräch sind, gehen Besucher vorbei.
- Keine Nachbereitung: Die Messe endet nicht am letzten Tag, sondern zwei Wochen später.
Wenn du Unterstützung willst
Ich plane mit dir den Auftritt, lade vorher gezielt ein, verabrede Termine am Stand und organisiere auf Wunsch den Abend danach. So wird aus der Messe ein Vertriebskanal statt einer Visitenkartensammlung.
Passend dazu
- Kooperationspartner finden: So kommen zwei Unternehmen zusammen, die sich gegenseitig Kunden bringen
- Wie netzwerke ich wirklich? Sieben Gewohnheiten, die aus Kontakten Beziehungen machen
- Neu in Mecklenburg-Vorpommern: Die ersten 90 Tage im regionalen Netzwerk
- Wissen: Business Development
- Wissen: Kaltakquise