Ratgeber · Netzwerken, das wirkt
Wie netzwerke ich wirklich? Sieben Gewohnheiten, die aus Kontakten Beziehungen machen

Viele gehen zu Netzwerkveranstaltungen, sammeln zwanzig Visitenkarten und hören danach nie wieder etwas voneinander. Das liegt nicht an den Veranstaltungen. Es liegt daran, wie wir netzwerken. Diese sieben Gewohnheiten haben bei mir den Unterschied gemacht.
Netzwerken ist kein Verkaufsgespräch
Das größte Missverständnis zuerst: Netzwerken heißt nicht, möglichst vielen Leuten möglichst schnell zu erzählen, was man verkauft. Wer so in einen Raum geht, merkt schnell, dass die anderen höflich nicken und dann weiterziehen.
Netzwerken heißt, Beziehungen aufzubauen, in denen man sich gegenseitig hilft. Manchmal sofort, oft erst Monate später. Wer das verstanden hat, geht entspannter auf Veranstaltungen und kommt mit weniger Visitenkarten, aber mehr echten Kontakten nach Hause.
1. Frag mehr, als du erzählst
Die beste Frage auf jeder Veranstaltung lautet: „Was beschäftigt dich gerade?“ Nicht „Was machst du?“, sondern was den anderen im Moment umtreibt. Darauf bekommst du ehrliche Antworten. Und du erfährst, wobei du helfen kannst, auch wenn es gar nichts mit deinem eigenen Angebot zu tun hat.
2. Denk an den Dritten
Wenn dir jemand von einem Problem erzählt, frag dich: Wen kenne ich, der dabei helfen könnte? Diese Frage ist der Kern dessen, was ich tue. Wer regelmäßig andere miteinander bekannt macht, wird zu dem Menschen, den man anruft, wenn man jemanden braucht. Und irgendwann kommt das zurück.
3. Stell richtig vor
Eine gute Vorstellung ist mehr als „Ihr solltet euch mal kennenlernen“. Ich schreibe an beide gleichzeitig: wer der andere ist, warum ich glaube, dass es passt, und was beide davon haben könnten. Dann ziehe ich mich zurück. Wichtig: Frag vorher beide, ob sie die Vorstellung wollen. Niemand mag ungefragt verkuppelt werden.
4. Melde dich innerhalb von 48 Stunden
Die meisten Kontakte gehen nicht verloren, weil sie uninteressant waren, sondern weil sich niemand gemeldet hat. Schreib am Tag nach der Veranstaltung eine kurze Nachricht. Bezieh dich auf das, worüber ihr gesprochen habt. Wenn du etwas versprochen hast, einen Kontakt, einen Artikel, einen Hinweis, dann schick es mit.
5. Pflege wenige Beziehungen gut
Niemand kann zweihundert Kontakte gleichzeitig pflegen. Besser ist ein kleiner Kreis von Menschen, die du wirklich kennst und regelmäßig siehst. Ich halte mir eine einfache Liste: Mit wem habe ich lange nicht gesprochen? Wer hat gerade etwas Neues vor? Einmal im Monat gehe ich die Liste durch und melde mich bei drei, vier Leuten, ganz ohne Anlass.
6. Sei auch dort, wo es nicht ums Geschäft geht
Meine besten Kontakte habe ich nicht auf Wirtschaftsveranstaltungen geknüpft, sondern beim Volleyball, im Verein und bei Ehrenämtern. Dort lernt man Menschen kennen, wie sie wirklich sind. Vertrauen entsteht, wenn man zusammen etwas anpackt, nicht wenn man Visitenkarten tauscht.
7. Gib zuerst
Wer auf jede Hilfe sofort eine Gegenleistung erwartet, wird beim Netzwerken enttäuscht. Hilf, wenn du helfen kannst. Empfiehl Leute, von denen du überzeugt bist. Teil Wissen, das andere weiterbringt. Das ist keine Selbstlosigkeit, sondern die einzige Strategie, die langfristig funktioniert. Menschen erinnern sich daran, wer ihnen geholfen hat.
Wo du in Mecklenburg-Vorpommern anfangen kannst
Wenn du neu anfangen willst, such dir zwei, drei Netzwerke, in denen du regelmäßig auftauchst, statt überall einmal vorbeizuschauen. Für junge Unternehmerinnen und Führungskräfte sind die Wirtschaftsjunioren ein guter Einstieg. Dazu kommen Unternehmerverbände, Branchenstammtische, Kammern und die Vereine vor Ort. Entscheidend ist nicht, welches Netzwerk du wählst, sondern dass du wiederkommst.
Die häufigsten Fehler beim Netzwerken
- Mit dem eigenen Angebot anfangen: Wer in den ersten zwei Minuten verkauft, wird höflich gemieden.
- Nur mit Bekannten stehen: Auf Veranstaltungen ist es bequem, bei den Leuten zu bleiben, die man schon kennt. Geh bewusst auf jemand Neues zu.
- Nicht nachfassen: Ohne Nachricht am nächsten Tag war das Gespräch meistens umsonst.
- Ungeduld: Manche Kontakte zahlen sich erst nach einem Jahr aus. Das ist normal.
Und wenn du einfach jemanden kennenlernen willst
Erzähl mir, woran du gerade arbeitest. Vielleicht kenne ich jemanden, der dir weiterhilft. So fängt bei mir fast alles an.